Jodhpur

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Nach den sanften Hügeln von Puskhar wird die Gegend flacher, weiter, öder. Die Wüste Thar ist spürbar, manchmal weht bereits feiner gelber Sand wie Wüstengeister über die Strasse. Der orange Turban des Ziegenhirts leuchtet im Braun und Schwarz der Ziegen mit den lustigen Lampiohren. Zu fressen gibt es hier nicht mehr viel, doch sie lassen sich von den spitzen Dornen der Akazienbüsche nicht abschrecken. Auch die Kamele verweilen an diesen Sträuchern. Flache rote Steine sind zu Mäuerchen als Feldabgrenzungen aufgeschichtet. Kürzlich ist ein Regenguss niedergegangen, bereits bedeckt ein hellgrüner Flaum die sandige Erde – das Naturwunder des ersten Regens.

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Indien rüstet internetmässig von 3G auf 4G auf. Es ist ein widersprüchliches Schauspiel, wenn 20 Arbeiter oder mehr mit Spitzhacken von Hand einen Graben ausheben, um das Glasfaserkabel zu verlegen. Der Verkehr ist nicht mehr so intensiv, dafür sind Kühe, Schafe mit schwarzen Gesichtern, Schweine und Ziegen Strassenbegleiter. Mit dem Mehrklanghorn kündigt sich der überholende Bus an, vollgestopft mit Menschen, die sich durch die offenen Türen und Fenster etwas frische Luft verschaffen. Im oberen Stock ist es wohl nicht so gemütlich, aufrechtes Sitzen ist da nicht mehr möglich. Bestimmt knallt der Kopf bei jedem Loch an die Decke. Sehr gemein ist die quer zur Strasse verlaufende Teerwurst als Geschwindigkeitsbrecher, die ohne Vorwarnung auftaucht. Das gibt auch mit Paul öfter mal ein Gepolter. Hinter vorgehaltener Hand nennen die Leute diese Teile ‚the sleeping indian police‘.

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In Jodhpur besuchen wir das Mehrangarh Fort der Maharadschas. Mit seiner überwältigenden Grösse und Präsenz ist es eines der denkwürdigsten Bauten in ganz Indien – ein uneinnehmbares Bollwerk mit hoch aufschiessenden fensterlosen Mauern, die direkt aus dem gewaltigen Felssockel herauszuwachsen scheinen. Prunk und Gloria haben sie geliebt – die Maharadschas. Seit der Unabhängigkeit haben sie zwar ihren fürstlichen Status verloren, doch die Erben konnten einen Grossteil der Reichtümer behalten und geniessen heute noch grossen Einfluss und echten Respekt. Jodhpur ist auch bekannt als Blaue Stadt. Die eng zusammengebauten Häuser leuchten in einem dezenten Blau.

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Dem weissen Kalkanstrich wird Indigo beigemischt. Sieht nicht nur schön aus, sondern hält Hitze und Moskitos fern.

Auf dem quirligen Markt rund um den Glockenturm sind die verschiedenen Handwerker in unterschiedlichen Gassen zu finden; da die Schneider, die Schleifer, die Schmiede, die Schuhmacher, die ihre Arbeit am Boden sitzend ausführen.

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Zwei dünne braune Beine schauen zwischen weissem feinen Stoff hervor. Es wäre spannend zu erfahren, wie wohl diese lange Stoffbahn zu einer Hose in verschiedenen Längen gewickelt wird. Mit der langen Kurta eine perfekte Kleidung in dieser heissen Gegend. Der Turban macht noch das Tüpfli auf dem i. Sie gefallen mir, diese Wüstenherren mit den von der Sonne gegerbten Gesichtern.

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