Fraser Island

 

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124 Kilometer lang und maximal 25 Kilometer breit gilt Fraser Island als die grösste Sandinsel der Welt. Sie zählt als Weltnaturerbe der UNESCO. Wir haben uns noch etwas gegen den Besuch dieser Insel gesträubt, da fast jeder Australientourist und die „Grossen Sändelibuben“ da vorbeikommen müssen. Doch der Gwunder hat gesiegt!

Wir entscheiden uns, die Insel von Süden her mit der Fähre zu erreichen. Bereits im Cooloola Nationalpark unternehmen wir eine Strandfahrt dem Meer entlang. Es ist schon ein besonderes Gefühl, die Wellen so griffnah zu sehen; – es kribbelt ein bisschen. Zum Glück haben wir das schon mit Renate und Stefan ausprobiert, sonst hätte es mir sicher Angst eingejagt. Doch vor uns sind weitere Autos, also sind wir auf dem richtigen Pfad. Die Wellen des Ozeans rauschen, wir auf dem Sand – eine spannende Expedition.

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Nach dem Sandweg über alle Hügel landen wir in Rainbow Beach. Es ist noch früh am Nachmittag, in einem Büro können wir das Permit für Fraser Island, die Campingnächte und die Fähre lösen. Die Zufahrt zur Fähre besteht aus einem dicken Sandwall. Wer hier versinkt, ist definitiv nicht inseltauglich.

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Die kurze Ueberfahrt mit der Fähre kostet satte 75 AUD, für ca. fünf Minuten Fahrt. Sie nehmen es, wo es etwas bringt! Die Runterfahrt von der Fähre sieht wieder echt kriminell aus, mitten in den gleisigen Sandstrand hinein.

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Doch dann geht die Fahrt flott weiter, der Seventy Five Mile Beach entlang. Bei Ebbe ist der ebene, flache Sandstrand breit. Zwischendurch überqueren wir Pfützen eines Creeks. An das Salzwasser zu denken, das jetzt die blanke Unterseite von Paul zerfrisst, ist es zu spät – wir sind mittendrin. Rechts wellt der Ozean in seinen türkisblauen Tönen, eine laue Brise weht ins Autoinnere, der Sand ist von Reifenspuren zermalmt – man fühlt sich auf einem anderen Stern. Ein schönes Gefühl von Freiheit.

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In letzter Minute finden wir die Auffahrt zu einer erlaubten Campingstelle, einfach eine Sandschneise ins Land hinein. Ohne Allrad geht da wirklich nichts mehr. Dafür finden wir ein idyllisches Plätzchen zwischen Banksia und Föhren. Hinter dem Sandhügel rauscht das Meer. Da bleiben wir gerade noch einen Tag. Ich kann endlich meine Mails beantworten (auf Vorrat, denn hier gibts keine Telstra), schreiben, lesen, kochen und wir zelebrieren unser 25jähriges Jubiläum. Der Ort und die Aussicht sind stilgerecht.

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Die Wegfahrt am anderen Tag endet bereits nach ein paar Metern, – Paul versinkt im Sand und Urs muss schaufeln.

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Nach einer halben Stunde Frühgymnastik landen wir wieder auf der festen Strandpiste. Wir fahren auf den Inlandtracks, durch Dschungel, fast Regenwald, an gigantischen Eukalyptusbäumen vorbei. Und das alles auf Sandpisten. Urs muss aufpassen, dass keine vorstehenden Wurzeln die wabbeligen Pneus durchstechen. Die Natur ist herrlich: Foxtail Fern, Gum trees, Heidekraut, Lianen; alles wunderbar exotisch.

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Ueberall warnen Tafeln vor den wilden Dingos. Die relativ scheuen Wildhunde können sehr aggressiv werden, wenn ein Mensch in ihr Territorium eindringt.

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Am Lake Birrabeen finden wir puderzuckerweissen Sandstrand, leider ist der Himmel trüb und die Farben wären bei Sonnenschein bestimmt umwerfend.

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Da würde ich sogar ein Bad nehmen, wenn die Sonne da wäre. Von einem Aussichtspunkt schauen wir auf die meterhohe Wanderdüne, die sich täglich weiter ins Landesinnere frisst oder auf den Lake Wabbi, der zwischen Wald und Düne eingebettet ist.

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Nochmals verbringen wir eine Nacht hinter den Sandhügeln, werden vom munteren Vogelgezwitscher geweckt. Ungefähr 240 verschiedene Sorten Vögel bewohnen die Insel. Am nächsten Tag erreichen wir nach langer Fahrt das nur 20 Kilometer entfernte Kingfisher Bay.

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Wir haben Glück und können für 90 Dollar auch ohne Vorbuchung auf der Fähre nach Hervey Bay ans Festland mitfahren. Ein ratterndes Ungetüm. Ich bin froh, wieder normalen Boden und den Füssen und den Rädern zu wissen. Die Geschichten von nicht mehr rettbaren Fahrzeugen, die im Meer versunken sind, spuken halt doch immer im Kopf herum. Millionen von Dollars wird so jedes Jahr „den Fluten geopfert“. Doch die Insel ist mit gesundem Menschenverstand wirklich eine Reise wert.

 

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