Goodby Paul

Am Montag um 10.00 Uhr ist Termin mit dem Logistikunternehmer. Um 11.00 Uhr rufe ich ihn an, da er immer noch nicht da ist. Ja es wird 16.00 Uhr. Um 17.00 Uhr wieder ein Telefon von mir. Sie haben den Container noch nicht, vielleicht noch am Abend oder dann sicher am Dienstag um 8.00 Uhr. Um 09.00 Uhr wieder ein Telefon von mir. Ja er kommt sogleich. Mit seinem grossen, neuen 4×4 Prado fährt er uns vor. Na wohin? In die Sandstrasse wo wir vor einer Woche die ersten Hoffnungen für eine Verschiffung geklärt  haben. Hinter einem rostroten Eisentor in einem sandigen Innenhof warten fünf LKWs.

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Auf einem davon unser 40 Fuss Container, gelb, verbeult, verrostet. Doch das haben Container wohl so an sich. Wie Paul und die Box da hinein sollen, ist uns schleierhaft.

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Nach einigen Rangierversuchen merken die Leute, dass es besser ist, unseren Lastwagen gerade vors Tor zu parkieren. Der Platz ist in schwarzen Rauch gehüllt, es stinkt von den LKW Motoren. Um einen zu starten, tragen sie zwei schwere Batterien hin und her. Dann kommt das Fahrzeug, das unsere Box vom Paul abheben soll. Einen solch verlotterten Lastwagen habe ich noch nie gesehen, das Trittbrett hängt schief durch, die Ladefläche strotzt vor Altöl, die Stossstange war mal eine. Es sind sicher acht Männer damit beschäftigt, wie das jetzt zu bewerkstelligen ist.

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Eine schmierige, alte Gurte knüpfen sie zusammen und Urs muss sein Abschleppseil hergeben. Es klappt nicht, die Box ist zu schwer. Der Verantwortliche fragt, ob wir den Frigo geleert haben ..?.. Wir warten, eine Stunde, zwei Stunden. Nachfragen nützt auch nicht viel, ja Madame, etwas Geduld, wir tun alles was möglich ist. Dann kommt einer auf dem Moped, seine Kleider mit Oel verschmiert, auf dem Gepäckträger in einem Plastiksack verstaut sein Werkzeug. Er muss den Kran reparieren.

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Dann geht die Übung von vorne los. Endlich ist die Kabine vom Fahrzeug, ich zähle nicht mehr, wie manches Mal sie in den Sand gesetzt und wieder aufgehoben wurde. Die Arbeitsweise ist nicht nachvollziehbar.

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Urs immer am Ball, damit sie nicht irgendetwas kaputtmachen. Doch da ist es schon geschehen, der Knopf der alten Gurte hat unser Seitenfenster eingedrückt. Glassplitter liegen herum, der Schliesshebel innen abgebrochen. Doch das kümmert niemand – ausser uns natürlich.

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Nun kommt ein Abschleppwagen, Urs muss die Rampe hochfahren und sie fahren das Auto vor den Containerlastwagen. Klemmende Auffahrrampen werden ausgefahren und lose an die Ladefläche des Lastwagens gelegt. Jetzt wird Urs das zu bunt. Er macht einem mit Handzeichen klar, wenn das Auto da runterfällt, killt er ihn. Zuerst lacht der Schwarze, doch dann merkt er doch, dass er es ernst meint.

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Ist gut gegangen – das Auto ist drin und wird mit ein paar morschen Pfählen an der Seitenwand des Containers verbarrikadiert. Hoffentlich gibt’s keinen grossen Wellengang.

 

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Nun wieder der schwierige Teil mit der Box. Immer wieder muss der Lastwagen umrangieren, um die Box einen Meter zu verschieben. Es ist kaum zuzuschauen, wie sie immer wieder in den Sand kippt. Unsere Verstrebung für die Leiter können wir sicher auch vergessen, verbeult und verbogen. Dunkle schwarze Wolken kündigen das Gewitter an und es dauert nicht lange, bis es zu schütten beginnt. Auch das noch. Das Loch auf dem Dach der abmontierten Klimaanlage ist nur mit einem Plastik zugeklebt. Doch immerhin Schweizer-Klebband. Doch da oben sieht es sowieso fürchterlich aus, alles ölverschmiert vom Kran, ölige Hand- und Fussabdrücke über die ganze Box verteilt. Bald sind alle klitschnass, doch die Arbeit geht weiter. Der Container-LKW fährt rückwärts nahe an die Box und jetzt beginnt das Hineinschieben. Urs hat alle Hände voll zu tun, zu hoch, zu niedrig, zu weit rechts……. Mir wird halb übel beim Zusehen. Und alle wissen alles besser. Jeder gibt noch seine Meinung dazu ab. Leute auf der Strasse kommen daher, schwatzen drein, ein Menschenauflauf.

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Mit einem Holzpfahl muss Urs die rechte Seite der Box schützen, da sie verdächtig nahe an der Containerwand ist. Doch der hält nicht lange. Für das Hineinschieben der Box kommen alte Felgen, Holzrugel, Steine und was halt so herumliegt zum Einsatz. Um 17.30 Uhr können wir die Tür des Containers schliessen. Noch nicht versiegelt, denn das geht erst am nächsten Tag weiter. Aber immerhin irgendwie in Sicherheit. Wir sind fix & foxi und ein Stück wie amputiert ohne unseren Gefährten Paul, unsere momentane Heimat. Hoffentlich treffen wir ihn bald wieder.