Silberstreifen am Horizont …

Diese Woche geht definitiv in die Reisegeschichte ein. Wie oft ich am Boden zerstört und mich wieder aufgerappelt habe (oder Urs mich …), zähle ich nicht mehr. Ein Päckli Nastücher verheult.

Über das letzte Wochenende haben wir uns definitiv entschieden, aus Sicherheitsgründen nicht über Nigeria zu reisen und eine Verschiffungsmöglichkeit zu suchen. Am Montag machen wir uns auf zu Grimaldi – die bekannte Reederei mit Sitz in Hamburg. Doch da sind wir an der falschen Adresse – ohne Logistikfirma kommt nichts aufs Schiff. Immerhin können wir die Lady (auf deren Pult das wichtigste Stück die grosse Handtasche ist) erweichen, uns zu einem Spediteur zu führen. Diese Adresse hätten wir nie!! gefunden. An einer sandigen Strasse, in einem grossen, unscheinbaren Gebäude, im vierten oder fünften Stock, nichts angeschrieben. Die Lady im superengen, kurzen, schwarzen Kleid schnauft vor uns. Sie geht wieder und wir warten …. es dauert nur ein paar Minuten, versichert uns ein Herr in Krawatte. Nach Dreiviertelstunden dürfen wir zum Directeur général. Ui das ist ein grosses Büro, macht europäischen Normen Konkurrenz. Der Herr auch, in schicker Kleidung und mit feinem Duft. Er zückt sogleich das Telefon, Urs macht Fotos von Paul, ich maile ihm diese und noch die Masse dazu. Morgen Nachmittag ist die Offerte da. Buchen wir halt nochmals einen Tag im IBIS Hotel. Am nächsten Tag nichts – ich schreibe ihm wieder. Nach ein paar Stunden die Antwort, dass die Passage schwierig ist. Bis jetzt hat er erst eine Möglichkeit Afrika – Amerika – Europa – Afrika erhalten. Das kann doch nicht sein, Kosten und Zeit mal auf der Seite gelassen. Jetzt schreibe ich fünf weitere Seefrachtunternehmen in Deutschland an. Bis heute eine einzige Antwort, mit der Vermittlung einer weiteren Verschiffungsagentur in Cotonou (mit Sitz in Genf). Superservice von diesem netten Herrn in Hamburg. Gleich wieder ein Mail an dieses Unternehmen. Siehe da, schon nach ein paar Stunden eine Antwort. Das tönt gut, jede Woche eine Fahrt nach Nambia.

K1024_MSC Shipping

Obwohl die Frachtkosten höher sind als nach Südafrika, wählen wir diese Strecke. Jetzt müssen wir noch eine Spedition finden, denn das ist nicht Sache des Frachtunternehmens. Es geht nun nicht mehr per Mail, ich muss sie zurückrufen. Sie erklärt mir, dass ich Glück habe, dass sie Mails beantworte, hier wird telefoniert nicht gemailt. Und ich erhalte wieder eine Telefonnummer. Dieser Herr ist zum Glück schon informiert und er verspricht, in einer Stunde für die Besprechung im Hotel zu sein. Nach zwei Stunden rufe ich ihn wieder an, ja ja er kommt sofort. Nach einer weiteren halben Stunde ist er dann auch wirklich da, nimmt die Daten von Paul auf und verspricht die Offerte um 16.00 Uhr. Ok eine Stunde später geht ja noch, um 17.00 Uhr ist er tatsächlich da. Uns verschlägt es die Sprache, was das kosten soll. So können wir das vergessen. Er telefoniert wie wild mit seinem Handy, verhandelt Preise und rundet dann (fast) jeden Betrag ab. Ob das Taktik ist?  – ich vermute es heftig. Dann geht’s noch um den Termin, wieder Telefon mit der Schifffahrtsgesellschaft. Jetzt bekommen wir den zweiten Schock – Paul wird am nächsten Freitag aufs Schiff verladen und 45 Tage unterwegs sein. Er fährt in den Hafen von Algeciras in Spanien, wo wir am 26. Mai 2014 waren! und wieder zurück nach Walvis Bay/Namibia. Urs meint, wo denn da die Ökologie bleibt. Wir sind ratlos, Urs weiss wie die Wand und ich einem Schreikrampf nahe. Nach einer Stunde der inneren Sammlung im Hotelzimmer geben wir ihm dann doch den Auftrag. Wir planen, in Namibia für die eineinhalb Monate eine Wohnung zu mieten. Jetzt können wir auch für uns organisieren und uns nach einem Flug umsehen. Nach langem Suchen im Internet finde ich einen über Johannesburg (mit Übernachtung) und am nächsten Mittag weiter nach Windhoek. Das immer mit mieser Internetverbindung, oder im finalen Moment mit dem Aus der Leitung. Meine Nerven liegen langsam blank und der Geduldsfaden ist gespannt wie ein Geigenbogen. Sicherheitshalber fahren wir zum Flughafen, um auch dort die möglichen Flugvarianten zu klären. Das Flughafengebäude gleicht mehr einer Baracke, dunkel, muffig und es stinkt nach altem Fisch. Der in der Phantasie aufgetauchte Airline-Schalter entpuppt sich als winziges Büro in einer Glaskammer. Doch es ist zu, sie sind essen gegangen, informiert uns der Wachmann. Es ist zwar 10 Uhr morgens, doch wir warten.  Dann kommt Hektik auf, als die zwei Ladies daherkommen und aufschliessen. Drei Männer drängen sich vor uns und markieren Präsenz mit ihrer Leibesfülle. Sie wollen ihr Ticket umbuchen, als das nicht möglich ist, buchen sie kurzerhand neue. Das Geschäft fast abgeschlossen, merken sie, dass sie Business fliegen möchten. Das ganze Prozedere nochmals von vorn. Immer wieder sind sie lautstark an ihren Handys, wir werden ignoriert, einer setzt sich sogar auf den Bürostuhl der Dame. Auf dem Stuhl daneben wartet nochmals ein Schwarzer und es wird ihm langsam zu bunt. Er meint wohl, mit seiner goldenen, dicken Uhr und seinen spitzen schwarzen Schuhen Eindruck schinden zu können. Er fragt dazwischen wegen seinem Flug, da mache ich ihn darauf aufmerksam, dass wir schon länger warten. Jetzt wird er stinksauer, mault mich an und wenn Blicke töten könnten, wäre ich definitiv nicht mehr hier. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie er mich provozieren will, doch das schafft er nicht. In den Städten sind viele Leute, die es zu Geld gebracht haben, arrogant, hochnäsig und rücksichtslos. Mir fehlt das Landleben! Wir sind an der Reihe – jupi, doch nach einigen Minuten auch hier ernüchtert. Nachdem sie für den 12.8. einen Flug suchen will (das Datum ist längst vorbei) ….. es dann merkt, findet sie auch für nächste Woche nichts. Wir sollen morgen wieder kommen, dann ist ihr Chef da. Im Hotelzimmer angekommen, will ich den Flug im Internet buchen, das Buchungstool von African Air funktioniert nicht. Also suche ich den Flug bei einem anderen Anbieter, ich buche bis fast am Schluss, das Internet bricht zusammen. Neuer Versuch in der Hotellobby – uff nach zweimaligem Beginn kann ich aufschnaufen. Jetzt müssen wir die benötigten Sachen aus dem Auto räumen, den Kühlschrank leeren und Urs macht technische Vorbereitungen. Auf diese Woche genehmigen wir uns einen grossen Drink aus der Pastis-Flasche und essen giftig grüne Wasabi Chips, bis unsere Zungen eine unkenntliche Farbe bekommen.

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Und jetzt hoffen wir einfach, dass es nicht à l’africaine weitergeht!