Botschafts-Odyssee

Für afrikanische Verhältnisse finden wir die Botschaft von Nigeria in Cotonou, der Administrations-Hauptstadt von Benin, sehr! schnell. House of Nigeria steht gross auf der weiss-grünen Eingangspforte. Der Wächter schnauzt uns an, dass die Botschaft erst um 10.00 Uhr öffnet und wir nicht so lange davor parkieren dürfen  (es geht um eine halbe Stunde). Wir bleiben, doch schon wieder kommt er aus seinem Häuschen und diskutiert sehr aufgebracht mit uns. Schlussendlich bekommen wir die Antragsformulare und wir wissen jetzt, dass Visa nur am Dienstag und Donnerstag von 10.00 bis 12.00 Uhr erteilt werden. Am nächsten Tag sind wir wieder dort, mit allen notwendigen Papieren. Die Lady mit stylischer Frisur, ihre Figur eingepfercht in ein blumiges türkis-rosa Kostüm, in goldenen Highheels, erklärt uns ziemlich arrogant, dass nur für Bewohner von Benin ein Visum erteilt wird. Es ist ihr gleichgültig, was wir nun machen, das hätten wir vorher abklären können, wir sollen zurück in unser Land und dort den Antrag stellen. Ich erkläre ihr so ruhig wie möglich unsere Situation, – kein Pardon – sie macht nur ihre Pflicht. Vielleicht, aber wirklich nur vielleicht könnte sie eine Ausnahme machen, wenn wir das Visum für ein nächstes Land haben. Dass wir für Namibia und Südafrika gar keines brauchen, interessiert sie keinen Deut. Wir ziehen unverrichteter Dinge wieder ab und sind ratlos.

Was haben wir für Möglichkeiten? Ein Visum für Togo beantragen, dann westlich zurückfahren und in Lomé ein Visum für Nigeria beantragen? Über Niger, Tschad zuerst nördlich, dann südlich fahren? Doch auch dafür benötigen wir Visas. Ein Schiff von Cotonou nach Angola suchen? Und auch für Angola benötigen wir ein Visum. Wir arbeiten an den parallelen Möglichkeiten, doch noch ein Visum für Nigeria zu erhalten. Unterdessen schreckt uns allerdings die Ebola-Geschichte vor der Durchreise ab. Was ist, wenn sie uns nicht mehr ins nächste Land einreisen lassen? Als zweite Möglichkeit versuchen wir eine Schiffspassage für Paul zu finden und ich schreibe Mails an zwei Seefrachtgesellschaften.

Cotonou ist die Stadt der Töfflis – alle sind damit unterwegs, auch die Taxifahrten finden mit dem Töffli statt. Die Moto-Taxi erkennt man am gelben TShirt, das sie tragen. Mit zwei sind wir schon am frühen Morgen unterwegs und wir suchen die Botschaft von Angola. Fehlanzeige, in diesem Viertel kanns nicht sein, obwohl ich die genaue Adresse habe. Wir fahren im stinkenden Verkehr, im Slalom zwischen Töfflis und Autos die fünf Kilometer wieder zurück. In der Botschaft angekommen erhalten wir dieselbe Information wie auf der Botschaft von Nigeria: keine Visumerteilung  an Ausländer. Sollen wir halt wieder zurückfliegen und überhaupt, was wir ausgerechnet in Luanda wollen, dann geht halt in ein anderes Land, tönt es nicht sehr nett. Ich verzweifle! Im dritten Anlauf der Erklärung merken sie, dass wir nicht mehr zurück und nicht mehr vorwärts können und auch das Flugzeug wegen unserem Auto keine Lösung für uns ist.

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Hinter dem Lastwagen aus Basadingen die Botschaft von Angola. Striktes Fotografierverbot von Botschaften, Polizeigebäuden, Ministerien, Armeegelände!

Sie schickt uns auf die Belgische Botschaft, die mit den Schweizern zusammenarbeiten. Netterweise sucht sie noch die Adresse und Telefonnummer heraus, doch nicht aus Eigeninitative. Auf der Belgischen Botschaft die Schilderung unserer Situation, – wir müssen warten. Dann schicken sie uns weiter auf das Schweizer Büro für Zusammenarbeit. Dort stecken alle Mitarbeiter in einer Krisensitzung wegen Ebola, wir warten eine Stunde (unsere Töfflifahrer draussen auch). Die nette Sekretärin entschuldigt sich dann und führt uns ins Büro ihrer Vorgesetzten. Dort wieder unsere Erklärungen – ich kann sie mittlerweile schon fliessend in Französisch abspuhlen. Ob wir mit einem Chauffeur hierher gereist sind? Sie blicken uns mit ungläubigen Augen an! Vielleicht waren sie ja schon mal in der Schweiz und können die Distanz abschätzen. Da taucht auch noch der Leiter des Büros auf – Herr Zbinden. Doch auch er macht uns nicht grosse Hoffnungen, da er sich nicht in innenpolitische Angelegenheiten einmischen darf.

Wir machen uns auf den Weg zur Botschaft von Kamerun, die in der Nähe der Belgischen Botschaft (vom Morgen) sein soll. Leider finden wir sie nicht, die Belgische Botschaft weiss die Adresse auch nicht und schickt uns auf die Botschaft von Kongo. Da kommt uns die Idee, hier einen Visumantrag zu stellen, denn dieses Land durchreisen wir auf dem Landweg nach Süden auch noch. Eine Botschaft ohne Bewachung, ohne Stacheldraht, eine in die Jahre gekommene Behausung. Und siehe da es klappt – um 17.00 Uhr haben wir unsere Pässe wieder mit dem Stempel und den von Hand geschriebenen Einträgen. Situation 1 (vorläufig) geklärt.

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Zwei Stempel, zwei Einträge und die Unterschrift bedeuten zwei Stunden Wartezeit.

Auch am nächsten Tag keine Mailantwort der Transportunternehmer, also fahren wir mit dem Taxi (diesmal ein Auto) zu Grimaldi ins Hafengelände. Nein übers Wochenende sind keine Büros offen. Am Montag dann wieder!!!