Illegal in Togo

Gegen Abend brechen wir mit der Karosse der Schwestern schon wieder auf. Sr. Yudith fährt, was das Zeug hält, unberührt von Sandpiste und Holperlöchern.

K1024_Judith mit vollgas

Zwischendurch spritzt oranges Wasser aus den Pfützen, die Fenster sind offen und die Schleier der Nonnen wehen im Wind. Urs und ich kommen uns vor wie in einem Komikfilm. Wir alle müssen uns den Bauch vor Lachen halten, wenn uns eine Bodenwelle wieder durchrüttelt. Da steht rechts am Wegrand ein grosser Baobab – das ist die Grenze zu Togo und wir fahren einfach durch, ohne Visum und ohne Polizei! Am Donnerstag wenn Markt ist, steht ein Polizist da und fragt die passierenden Leute, was sie ihm Schönes mitbringen. Nach einigen Kilometern Holperweg treffen wir bei den Franziskanerbrüdern in Togo ein. Sie räumen gerade einen Bougainvillea auf, der altershalber zusammengekracht ist. Eine lustige Begrüssung mit viermal die Schläfen gegenseitig aneinander drücken. Unsere mitgebrachten Sachen werden abgeladen und wir fahren nach der Besichtigung der Kirche gleich weiter in ein Tata-Dorf.

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In dieser Gegend wohnt das Volk der Tata grenzüberschreitend. Erst wird der Vater vom Feld gerufen, denn er muss die Einwilligung für die Besichtigung geben. Vor dem Haus stehen die Fetische der Ahnen als konische Elemente. Schwarze Blutspuren und einige Hühnerfedern kleben am grossen Element, das den Grossvater symbolisiert. Immer wenn eine Entscheidung getroffen werden muss, rufen sie die Ahnen an und opfern dafür ein Tier. Die Grossmutter und die Kinder sind als kleinere Elemente dargestellt. Neben dem Haus sind die Elemente der Gesundheit, die bei Krankheiten oder Leiden befragt werden können. Eine schmale Öffnung führt in die «Kornwerkstatt». Links wird mit einem grossen Mörser das Korn zerkleinert, rechts auf einem rauhen Stein zu Mehl geschabt. Wieder eine kleine Öffnung, hier ist der Geissen- und Schafstall, sie schlafen artengetrennt im Wohnhaus der Tata. Dann folgt die Küche mit der Marmite auf der Holzkohle. Das alles umfasst etwa acht Meter Durchmesser. Als Leiter dient eine dicke Astgabel mit eingeschnitzten Tritten, auf der man einen Stock höher und bereits ins Freie gelangt. Eine weitere Leiter führt auf das Dach mit den Schlafplätzen für die Eltern und die Kinder sowie die runden Vorratskammern.

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Eine für die Frau, eine für den Mann und eine für die Kinder. Sie sind geheim und niemand darf in den Vorratsraum des anderen schauen. Die Kinder dürfen nur Mais oder Korn aus ihrem Speicher nehmen, wenn die Eltern nicht zu Hause sind. Bei schönem Wetter schlafen sie auf dem Dach, sonst in den durch ein kleines rundes Loch offenen Höhlen. Die Dächer dieser Höhlen dienen zugleich als Platz zur Korntrocknung. Das Dach ist etwas schräg konzipiert, sodass das Wasser des Regens und der täglichen Toilette durch ein Rohr ablaufen kann. Alles ist da, doch unglaublich, dass man so leben kann. Die Männer der Tata haben meist drei Frauen (je nach Reichtum). Für jede baut er so ein Haus und mit der letzten Frau wohnt er und die jetzige Familie im grössten Rundbau. Für die Grossmutter steht nebenan ein kleineres, rechteckiges Haus, denn sie würde kaum mehr durch die Leiter auf das Dach kommen. Die Häuser sind aus Erde gebaut und werden mit einem roten Sud von getrockneten Bohnen eingerieben und erhalten so eine dunkelorange Farbe.

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Der anschliessende Museumsbesuch zeigt weiteren Einblick in das Leben der Tata, die Verbundenheit mit der Naturreligion und die Initiierungsriten, welche die Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren mitzumachen haben. Unvorstellbar für uns!

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Es ist schon dunkel, als wir zu den Franziskanerbrüdern zurückkehren. Fr. Ferdinand ist aus der Normandie und schon unendlich lange in Afrika. Er muss sofort den Platz wechseln und sich den Weissen anschliessen! Der Umgang unter den Schwestern und Brüdern ist so locker und fröhlich, auch wir werden sofort mit eingeschlossen. Was lachen wir an diesem Abend – unglaublich. Zu Ehren von uns holt Ferdinand einen Bordeaux aus dem Keller, denn er hat 25 Jahre als Franziskanerbruder in einer Weinkellerei gearbeitet. Sie stossen alle auf uns an, gratulieren uns zu unserem Mut und wünschen uns Gottes Segen für die Weiterfahrt.

 

Stockfinstere Nacht für den Heimweg, ich würde den Weg nicht mehr finden. Doch Judith fährt mit der immer noch lachenden Gesellschaft zielgenau nach Hause, macht einen Witz, dass sie nachts nichts sieht. Erst am nächsten Morgen klärt sie uns dann auf, dass dies wirklich kein Scherz war!