Der Süden von Namibia

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Spitzberge, Tafelberge, Zebraberge, Schichtberge, Kugelberge und das in rot, braun, schwarz und grünlich. Sie begleiten uns auf dem Weg in den Süden von Namibia. In dreihundert Kilometer kommen uns etwa drei Staubwolken entgegen, das heisst ein anderer Verkehrsteilnehmer. Auf unbefestigten Strassen rumpelt es manchmal ziemlich heftig, doch dieses Geräusch ist dann doch etwas gespenstisch. Irgendwann musste es ja kommen – der Geruch von verbranntem Gummi und der zerfetzte Pneu, der an den Felgen hängt.

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Nach 16.000 Kilometern, viele davon auf Löcher- und Sandpisten. Doch ausgerechnet den Neuen hats erwischt, den Urs vor 2.500 Kilometern ummontiert hat. Gnadenlos glühende Sonne, wir drei mitten im Nichts. Zum Glück ist Urs das technische Genie – ich wüsste nicht, wo anfangen. Nach einer halben Stunde haben wir den kaputten Pneu mit vereinten Kräften wieder auf den Dachständer gehievt und die Fahrt kann weitergehen.

Rechts der Strasse Nationalpark, links davon Diamantensperrgebiet – wir erreichen Lüderitz – die Bucht am Meer, die Stadt auf Felsen gebaut.

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Knapp 13.000 Menschen leben hier, doch vieles ist rückläufig: die Fischereiquote, die Touristen, das Geld. Die Arbeitslosenquote liegt bei 60 Prozent. Und doch sind viele Restanzen der deutschen Kolonialzeit sehr präsent. Der Bremer Kaufmann Franz Adolf Eduard Lüderitz hat 1883 den Flecken Land vom Nama-Häuptling Joseph Fredericks für 10.000 Mark und 260 Gewehre abgekauft und hier einen deutschen Stützpunkt aufgebaut. Wir finden kurz vor Ladenschluss um 17.00 Uhr eine Pneuwerkstatt, satte 450 Franken will er für einen Neuen. Es bleibt uns nichts anderes übrig als zähneknirschend zu akzeptieren. Immerhin hat er dieselbe Marke an Lager und verspricht ihn aufgezogen auf morgen um 7.30 Uhr.

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Wir übernachten auf der Shark Island, einer Halbinsel, die vor über hundert Jahren als Gefangeneninsel für die aufständischen Nama und Herero diente. Ein wunderbarer Ausblick auf die Bucht. Vor uns schwimmt Agar-Agar – natürlich noch in Urform. 1.500 Tonnen Meertalg verkaufen sie hier an die Japaner und die USA, verarbeitet zu Agar-Agar – das vegetarische Verdickungsmittel.

Am nächsten Tag machen wir Entdeckungsreise nach Kolmannskuppe, ein paar Kilometer vor Lüderitz, mitten im Sand gelegen. Hier begann der grosse Diamantenrausch, als Bahnarbeiter (…. oder wars womöglich ein Vermesser??) Zacharias Lewala vor über 100 Jahren einen glitzernden Stein im Sand fand und seinem Boos brachte. Die Stadt befand sich rasch im Aufschwung und wurde aber schon bald durch die staatliche Beaufsichtigung der Diamantenminen wieder zum Untergang verdammt. 1956 verliess der letzte Einwohner Kolmanskop. Eine Geisterstadt, alte Tapeten hängen noch an den Wänden, Häuser, in denen schön zu wohnen wäre, doch heute sind die Zimmer mit Sand belegt. Die Natur holt sich zurück, was ihr gehört.

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Auf unserem Weg immer weiter nach Süden begleiten uns die Gleise, mal rechts, mal links. Richtige Highlights für Bähnler Urs! Als erst noch eine dampfende Diesellok daher fährt, ist es um ihn geschehen. Der Fotoapparat klickt sich heiss.

Im Camping des Roadhouse – kurz vor dem Fish River Canon – übernachten wir nochmals, bevor wir das letzte Naturwunder in Namibia bestaunen, das bis zu 27 Kilometer breit und bis zu 549 Meter tief ist. 161 Kilometer lang zieht sich die Schlucht des Fish Rivers dahin. Der Fluss führt sogar ein wenig Wasser. Ein unglaubliches Spektakel, das Millionen von Jahren alt ist und immer noch präsent seine Wirkung markiert. Wir staunen.

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Das liest sich jetzt wohl recht locker, doch die letzten Tage legen wir im Schnitt 350 Kilometer zurück und das bedeutet ungefähr sieben Stunden im Auto. Manchmal ist es wirklich genug! Zum Glück entfaltet sich aus unserer Mittelkonsole immer wieder ein Weihnachtsduft, wenn wir die leckeren, hausgemachten Guetzli von Ina als Stärkung hervornehmen. Bis zur Grenze Südafrika sind alle aufgegessen.

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